Die Lopau – ein romantischer Heidebach mit einem intakten naturbelassenen Ökoystem
Bachmuscheln in der Lopau der Esstisch eines Fischotters
Die Lopau ist ein kleiner Heidebach, der durch sein klares Wasser - verbunden mit einer relativ konstanten Wassertemperatur - ideale Lebensbedingungen für die Bachforelle, Äsche und Bachmuschel hat. Das gesamte Ökosystem im Bereich der Fauna und Flora hat sich während der letzten hundert Jahre in seinem ursprünglichen Zustand erhalten können. Das liegt auch daran, dass es von der Quelle bis zur Mündung in die Luhe kurz vor Oldendorf keine industriellen Ansiedlungen gegeben hat, und die Landwirte auf dieses kostbare Ökosystem Rücksicht genommen haben. Der einzige große Eingriff in die Natur war die Anlegung von Rieselwiesen um 1850, bei der die mäandrierende Lopau begradigt und somit die Fließgeschwindigkeit erhöht wurde. Diese Rieselwiesen mit den Wehren bzw. Staustufen gibt es seit 1955 im ganzen Verlauf der Lopau nicht mehr.
Das in der Saaleeiszeit entstandene Lopautal ist eine Abschmelzrinne in den Endmoränen und Sandern der Hohen Heide, also dem Lüneburger Höhenzug. Das Schmelzwasser der letzten Eiszeit (vor mehr als 10.000 Jahren) hat von Lopau bis nach Bockum ein tiefes Tal gegraben; der Höhenunterschied zwischen Quelle und Mündung beträgt immerhin 35m; daraus ergibt sich die relativ schnelle Fließgeschwindigkeit der Lopau. Das ganze Gebiet um das Dorf Lopau ist reich an Quellen, so dass man von der Lopau-Quelle an sich gar nicht sprechen kann. Der Mühlenteich an der linken Seite am Ortseingang mit dem dahinter liegenden Waldsee wird gemeinhin als die eigentliche Lopauquelle angesehen. Kurz nach dem Verlassen dieses Quellgebietes bekommt das kleine Bächlein reichlich viel Wasser aus den Quellgebieten der Westernteiche und den Wulfsoder Fischteichen.
Der ehemalige Revierförster vom Forstverband Amelinghausen Hans Lux hat in seinem Gedicht über Lopau folgende zutreffende Formulierungen gefunden:
„Du liebes, stilles Lopautal, umrahmt von Wald und Heide. Wie prächtig strahlst du all zumal, in deinem Sonnenkleide. Dein Wasser ist voll Silberpracht, voll Glockenklang dein Singen. Bei Sonnenglanz, bei dunkler Nacht, tönt um und um dein Klingen“
In Bockum fließt die Ehlbeck in die Lopau. Sie führt jetzt wesentlich mehr Wasser und kann die Wassermühle in Bockum betreiben, die bis 1955 in Betrieb war. Der ehemalige große Mühlenteich wurde 1960 durch die Umgehungsstraße durchschnitten und ist heute durch den Erlenwald nicht mehr als solcher zu erkennen.
Bockum wurde wahrscheinlich im 12. Jahrhundert als Vorwerk des Klosters Ebstorf gegründet und diente zu dessen Fundierung. 1785 wurde das klösterliche Vorwerk niedergelegt und es entstanden drei Vollhöfe und eine Kätnerstelle. Baron Eberhard von Alten kaufte 1890 den Hof Nr. 1 und 1907 die Mühle. Er baute 1906 das Gutshaus, das heute noch steht. Heute befindet sich hier der SOS –Hof Bockum der Stiftung SOS Kinderdorf e. V. Die Höfe Nr. 2 und 3, die Heinrich und Otto Refahrt aus Wulfsode besaßen, wurden ebenfalls verkauft und befinden sich heute im Besitz der Niedersächsischen Landesforst.
In Rehlingen ist das Lopautal breiter und auch nicht so tief in die Landschaft eingeschnitten. Die ehemaligen Bauernhöfe in Rehlingen lagen alle ganz in der Nähe der Lopau, so dass für Mensch und Tier reichlich Wasser und größere Wiesenflächen vorhanden waren. 1852 gab es hier 9 Bauernstellen; heute sind im Dorf Henning Hornbostel und Hans Thömen die einzigen aktiven Landwirte. Die Mühle in Rehlingen wird schon 1450 erwähnt und war im Besitz der Familie von Bothmer aus Lauenbrück. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Familie Thiede, die aus der Nähe von Salzwedel kam, mit der Mühle und dem Mühlenhof belehnt. Die Mühle wurde bis kurz nach dem ersten Weltkrieg noch als Getreidemühle und dann bis zum Verkauf 1968 nur als Schrot- und Sägemühle für den eigenen Bedarf betrieben.
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde Rehlingen zu einem beliebten Wohnort. Der erste „Zugereiste“ war der Kunstmaler Ernst Vollmer, der kurz nach 1900 Rehlingen als Wohnort wählte; die großen Heideflächen inspirierten ihn für seine künstlerische Tätigkeiten.
Gegenüber dem Neuen Friedhof in Amelinghausen gab es früher eine weitere Mühle, die zum Brookhof der Familie Rüter (Klare und heute Hommel) gehörte. Über die Existenz dieser Mühle gibt es keine Quellen; das dortige Flurstück mit der Bezeichnung Mühlengarten weist aber darauf hin, dass dort einmal eine Mühle gestanden hat.
Als Ende der 1960er Jahre die Sottorfer Ratsmitglieder von den Plänen eines kleinen Waldsees des damaligen Amelinghausener Bürgermeisters Friedrich Meyer erfahren hatten, reagierten sie sehr schnell und stellten einen Gegenplan auf. Der Sottorfer Vorschlag von einem Lopausee, der fünf Mal größer sein sollte als der Waldsee, überzeugte den damaligen Oberkreisdirektor Harries. Die Planungsphase begann Ende der 1960er Jahre, und schon im Sommer 1973 wurde der schöne Lopausee mit viel Spektakel eingeweiht. Die Gemeinde Sottorf brauchte lediglich den Kauf der 15 ha großen Fläche zu finanzieren (eine Mark pro m2) Die weitaus größeren Kosten für das Auskoffern des Mutterbodens und die Errichtung der Staustufe wurden aus verschiedenen Fördertöpfen bezahlt. Eine schöne Mitgift, die Sottorf in die „Ehe“ mit Amellinhausen eingebracht hat.
Vom Lopausee bis zur Mündung in die Luhe sind es jetzt nur noch knapp zwei Kilometer. Die Wieseflächen zu beiden Seiten der Lopau werden zur Mündung hin immer schmaler. Nach 12 km Flusslänge muss die Lopau ihren Namen aufgeben, obwohl die Luhe von links auf die Lopau trifft. Der kleinere Fluss muss leider seinen Namen aufgeben. Wer im Mündungsgebiet nicht weiß, welche von beiden Flüssen die Lopau ist, der sollte dem Rastschlag von Lore Ogsas geb. Dierken (gest. 2023) folgen: „Wo beide Bääkens tohopen kommt, muss du di breetbeinig n‘t Wader hinstellen. Du marks sofort, dat een vun diene Bein köller is, un dat is de Lopau“.
Text und Bilder: Hans-Friedrich Müller
Blick auf Bockum um 1920
Begradigung der Lopau nach 1835
Blick auf den Lopausee 1974
Hofanlage vom Grafen von Hardenberg
Zusammenfluss von Lopau und Luhe
Hof Otte in Lopau