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Nie wieder Krieg!!!

Drei Wörter, die 1945 nach dem Ende des Zeiten Weltkrieges immer wieder zu hören waren

Der australische Pilot C. C. Godley

Die Zahl der gefallenen Soldaten und die durch die Bombardierungen der Städte umgekommenen Menschen werden weltweit auf über 60 Millionen geschätzt. Die vielen Kriegsverletzten sind in dieser Schätzung nicht enthalten. Was zahlenmäßig auch nicht genau erfasst werden kann, sind die vielen heimgekehrten Soldaten, die – obwohl sie sich freuen konnten, lebend in ihre Heimat zurückkehren zu können - bis zu ihrem Lebensende unter starken posttraumatischen Belastungsstörungen zu leiden hatten. Deshalb ist es wichtig, eine individuelle und öffentliche Erinnerungskultur zu pflegen, die uns immer wieder vor Augen führt, wie viel Elend und Leid Kriege für uns Menschen mit sich bringen. Dieses gilt für beide Kriegsparteien.

Vom 24. Juli bis 3. August 1943 flog die British Royal Air Force unter der Bezeichnung „Operation Gomorrha“ eine ihrer größten Luftangriffe auf Hamburg. Während der vier nächtlichen Großangriffe wurden ungefähr 10.000t Bomben abgeworfen. 35.000 Bewohner kamen ums Leben und 900.000 konnten sich ins Umland retten. Beim letzten Großangriff kam ein sehr starkes Gewitter auf, das „Bomber Harris“ ignorierte. (Arthur Travers Harris: Marshall of the Royal Air Force) Die meisten der in England gestarteten 700 Flugzeuge mussten in der Nacht vom 2./3. August 1943 vor Hamburg abdrehen und warfen ihre Bomben ziellos im Süden der Stadt ab. Eine von den großen Bombern – eine viermotorige Lancaster-Maschine mit einer Bombenlast von 6t - wurde im Raum Lüneburg von einem deutschen Abfangjäger beschossen und stürzte in Aspelhorn bei Wohlenbüttel ab.

Einer von den acht Insassen war der 29-jährige Australier Collin Cortland Godley, der freiwillig als Pilot in der Royal Air Force für England kämpfte. Alle acht Soldaten des Lancaster-Bombers kamen ums Leben. Ihr Schicksal konnte – bis auf eine Person- erst nach Kriegsende geklärt werden.

Wachmeister Alfred Heyn aus Amelinghausen gab den Engländern im Mai 1945 folgendes zu Protokoll:

„Um 3 Uhr am 3. August erfuhr ich vom Flugzeugabsturz in Wohlenbüttel, es war ein starkes Gewitter, um 3.30 war ich vor Ort, das Flugzeug war neben dem Haus von Friedrich Meyer abgestürzt, vor dem Haus war ein Toter Flieger, ein weiterer toter Flieger war im Cockpit, insgesamt sechs Tote, alle hatten durch den Sturz zerbrochene Glieder und einige waren verbrannt, ihre Körper waren von Geschossen durchsiebt…sie hatten offensichtlich nicht versucht den Fallschirm zu öffnen, am 4. August wurden die Toten von der Luftwaffe eingesargt und nach Lüneburg gebracht…“          

Im selben Protokoll wird der Hofbesitzer Adolf Stegen aus Wohlenbüttel zitiert: „am 5. August fand er einen Toten mit einer australisch gekennzeichneten Uniform im Range eines Feldwebels am Fuße eines Baumes ungefähr zwei Kilometer von seinem Anwesen entfernt…“           (Quelle: Imperial War Museum, London, übersetzt von Hans-Friedrich Müller)

Gemeint ist der australische Flying Officer Godley. Er wurde in Amelinghausen beerdigt und 1947 umgebettet und auf dem Britischen Soldatenfriedhof in Becklingen bei Soltau beigesetzt.

Frau Meyer von Aspelhorn hat diesen Absturz direkt hinter ihrem Haus hautnah erlebt und in ihrem Tagebuch folgendes festgehalten: „Zum Teil waren die Toten im Flugzeug eingeklemmt, 4 lagen frei, davon war einer schändlich zugerichtet: der halbe Schädel, die Beine und Eingeweide weggerissen. Auf die Schweineweide von Wohlenbüttel (Mühlenhof Stegen) fiel in dieser Nacht eine Mine, die von dem Hof sämtliche Dächer abdeckte…und einen Bombentrichter von 15m Durchmesser verursachte“.

Der Vater von C.C. Godley hatte nach dem Flugeinsatz am 3.August nichts von seinem Sohn gehört und machte sich natürlich Sorgen, wie auch die Verlobte von Godley. Am 11. August bekam er vom R.A.F. Flugplatz Winthorpe folgende Mitteilung. „…Your son Flying Officer C.C. Godley, pilot is missing as a result of operation on the night of 3rd August 1943. (Ihr Sohn… gilt seit dem Einsatz vom 3. August als vermisst)

Der Vater und die Verlobte des australischen Piloten Godley mussten bis Mai 1945 in der Ungewissheit leben, ob er noch lebt. Noch heute findet man in dem Waldgebiet um Aspelhorn Reste vom abgestürzten Flugzeug, leider auch Munition und englische Münzen für ein Bier nach dem sicheren Rückflug.

Text und Bilder: Hans-Friedrich Müller

Flugzeugteile und englisches Geld, gefunden mit einem Detektor in 2020 von Achim Baethge

Lancater Maschine