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Die Amelinghausener Gilde

Die Gilde ist ein selbstnütziger Verein, in der auch zünftig geschmaust und getrunken wurde. Das Wort ist vom alt- nordischen „Gildi“ abgeleitet und bedeutet Genossenschaft, Festschmaus und auch Trinkgelage. Schon im 8. Jh. gab es auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs Kaufleute u. fahrende Händler, die sich zusammengetan haben, um sich gegenseitig zu helfen u. zu schützen. Bei uns gibt es Gilden seit dem 10. JH. In der von Heinrich I. erlassenen Burgenverordnung von 926 Chr. taucht das Wort Gilde das erste Mal auf. Wer Mitglied einer solchen Gemeinschaft bzw. Brüderschaft werden wollte,musste durch einen Schwur seine Bereitschaft zeigen, sich für die Interessen der Gilde im ökonomischen u. sozialen Bereich aktiv einzusetzen. Es galt das genossenschaftliche Prinzip: „Einer für alle, alle für einen“. Im Gegensatz zur Gilde ist die Zunft ein Zusammenschluss von Handwerkern in den Städten. Auch dieser Zusammenschluss war berufsspezifisch. Ihr Ziel war u.a. eine ordentliche berufliche Ausbildung u. eine Garantie für eine gute Qualität der hergestellten Produkte. Wer Mitglied einer Gilde o. Zunft war, hatte in der Stadt einen gewissen Rechtsschutz. Anders als heute gab es damals keine Versicherungen. Wer in Not geriet,bekam Hilfe und Unterstützung.Die Kaufmannsgilden u. die Handwerkerzünfte hatten folgende Ziele gemeinsam: Schutz und Sicherheit in allen Lebens-bereichen u. ein gemeinschaftliches, christliches Zusammenleben, beruhend auf dem Prinzip der Nächstenliebe. Dass es bei uns zwei verschiedene Begriffe für diese beiden Gemeinschaften gibt, die sich von ihren Zielen her eigtl. nicht unterscheiden, ist historisch bedingt. Die Gilde als Brüderschaft ist älter als´die Zünfte. In England gibt es nur das Wort „guild“ für beide Brüderschaften. Dass wir vieles über die Amelinghausener Gilde wissen, haben wir unserem Pastor Heinrich Ludewig Meybrinck zu verdanken, der nach seinem Amtsantritt 1780 in mühsamer Arbeit das ganze Kirchenarchiv neu geordnet u. Wichtiges für die Nachwelt in seinem „Corpus Bonorum“ von 1785 festgehalten hat. Sein 85 Seiten umfassendes, handschriftlich überliefertes Werk, ist eine Bestandsaufnahme aller kirchlichen Einnahmen u. Ausgaben. Obwohl Meybrinck das ganze Kirchenarchiv durchforstet hatte, konnte er keine Hinweise finden, wann es in Amelinghausen zur Gründung von Gilden gekommen ist. Seiner Meinung nach haben die Gilden, wovon es in unserem Kirchspiel ursprünglich fünf gab, „ihren Anfang noch weit im Papsttum genommen … dass hier in ganz alten Zeiten Mönche gewohnt haben“ (in der Nähe vom heutigen Papenstein, gemeint ist die Papenstelle), ist eine bekannte Sache… Durch eine starke Feuersbrunst sind diese Mönche 1396 vertrieben

Beitrag und Bilder: Hans-Friedrich Müller