Amelinghausen geht baden
„Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein und nischt wie ab …“ ins idyllische Schwimmbad im Lopautal.
Dieses Lied konnte man in Amelinghausen schon 1950 singen, ein Jahr bevor es durch Cornelia Froboess zu einem beliebten Schlager wurde. Das idyllische Schwimmbad im Lopautal, dort, wo sich heute der Jugendzeltplatz befindet, hat eine wechselhafte Geschichte. 1907 hat Arthur Joost es als Privatbad erbaut, das er im August 1943 an den ausgebombten Hamburger Hans Campe, einem aktiven NSDAP-Mitglied, unter einem gewissen Druck verkaufte. Joost war nach dem Verkauf plötzlich verschwunden und keiner wusste warum. Campe hatte den Pavillion auf der „Insel“ zwischen den beiden Nichtschwimmerbecken wohnlich hergerichtet, das große Schwimmbecken mit Mutterboden verfüllt und einen Gemüsegarten angelegt. Als er 1947/48 wieder nach Hamburg zurückkehrte, verkaufte er das Bad für 1.500 DM an die Gemeinde.
Da das Geld fehlte, haben sich 30 Amelinghausener bereit erklärt, der Gemeinde jeweils 50 DM zinslos für drei Jahre „vorzuschießen“. Mit freiwilligen Hilfern wurde dann, im Frühjahr 1950, der Mutterboden aus den Schwimmbecken entfernt. Auch die Schulkinder haben kräftig mitgeholfen.
Die Gemeinde Amelinghausen war zu der Zeit wohl das einzige Dorf im Landkreis Lüneburg, das nach 1945 unter den damaligen schwierigen wirtschaftlichen Lebensverhältnissen und der Geldknappheit, so schnell in den Besitz eines eigenen Schwimmbads kam. 1950 war das Grundsteueraufkommen der Gemeinde geringer als der Erlös von 2000 DM aus der Versteigerung der Obstbäume an den Straßenrändern.
Der 18. Mai 1950 war ein großartiger Tag für unsere Gemeinde. Traditionsgemäß war der Himmelfahrtstag lange der Beginn der Badesaison. Das Wasserrad in der Lopau war das Wahrzeichen des Schwimmbads. Solange die Lopau angestaut wurde, floss das Wasser über einen seitlichen Laufgraben ins Schwimmbecken.
Nach der Badesaison 1955 wurden die Lopauwiesen nicht mehr als Rieselwiesen genutzt. Die Lopau wurde nicht mehr angestaut und der Laufgraben konnte die Badeanstalt nicht mehr mit Wasser versorgen. Die Idee, ein Wasserrad mit Schöpfkellen zu bauen, kam von Schuster Albert Dittmer und Drechsler Hermann Kröger.
Am Anfang waren Alfred Heyn und Heinrich Stegen für eine kurze Zeit Bademeister. Der erste hauptamtlich eingestellte Bademeister war Paul Teske, gefolgt von Paul Dimke.
Unvergesslich sind die jährlichen Schwimmfeste, die von Jung und Alt mit großer Begeisterung wahrgenommen wurden. Immer musikalisch umrahmt vom Spielmannzug und ab 1962 vom Blasorchester unter der Leitung von Erwin Compalka.
Hans-Friedrich Müller
Postkarte
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