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Erwin Vollmer

Im Juni vor 50 Jahren starb Erwin Vollmer im Alter von 87 Jahren – ein über Rehlingen hinaus bekannter Künstler.

Wie die Mühle an der Lopau, so verbindet jeder ältere Bürger in Rehlingen sein Heimatdorf mit dem Landschaftsmaler und Bildhauer Erwin Vollmer, der von 1908 bis zu seinem Tode, am 27. Juni 1973, hier wohnte und künstlerisch tätig war.   Erwin Vollmer, geb. am 19. Oktober 1884 in Berlin, entstammt einer norddeutschen Künstlerfamilie. Sein Großvater war Landschafts- und Marinemaler, sein Vater ein bekannter Architekt, der später an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin/ Charlottenburg dozierte.

Rehlingen war am Anfang des 20. Jahrhunderts ein Heidedorf mit alten Strohdachhäusern, fern der städtischen Hektik und den qualmenden Industrieschloten. Die ausgedehnten Heideflächen mit den vielen schönen Wachholdern in einer leicht hügeligen Landschaft prägten das Landschaftsbild.

Die städtische Hektik - bedingt durch den fortschreitenden Industrialisierungsprozess im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts - war 1908 der Grund für den jungen Vollmer, von Berlin nach Rehlingen zu ziehen. Hier fühlte er sich wohl und bekam die nötige Inspiration für sein künstlerisches Schaffen.

Gegen die lila blühende Heide hatte er eine gewisse Abneigung; man kann sogar sagen, dass er diese Farbe gar nicht liebte. Für ihn war die Heide im Herbst und im Winter mit den trüben Farben viel interessanter und aussagekräftiger. Die Brauntöne, der Nebel im Herbst, die Spinngewebe im Heidekraut mit den vielen Tautropfen, die sich in der Sonne spiegeln, all das waren für ihn wichtige Zeichen seiner Liebe zur Heide und die essentielle Antriebskraft für seine künstlerische Tätigkeit.

Die Farben und die Grundstimmung in seinen Bildern sind vorwiegend düster. Einige Rehlinger bezeichneten ihn scherzhafterweise als „Gewittermaler“. Die karge braune Heide und der wolkenverhangene Himmel, der zu jeder Zeit mit Regen droht, sowie die Menschen, die in dieser kargen Landschaft hart um ihre Existenz kämpfen müssen, sind für ihn eine malerische Herausforderung. In diese Landschaft stellt Vollmer den hart arbeitenden Bauern, oft nur mit einfachen Linien dar.

„Doch so schön das in der Natur erlebt werden kann, so wenig ist es bildhaft zu gestalten, weit eher dichterisch. Daher haben die vielen, vielen (oft rosa-süßen Bildchen (Riesenschwarten), die als sogenannte Heidebilder massenweise die Lande verseuchen, eigentlich nichts mit der Heide zu tun, sind ihr nicht einmal äußerlich ähnlich, geschweige denn, daß sie an ihre innerste Wesenheit rühren, die in diesem Falle nicht malerisch ausdrückbar ist.“ (Erwin Vollmer, „Das Erleben der Heidelandschaft“ im Lüneburger Kreiskalender 1931)

Badende Frauen am Lopauwehr

Durch seine im zunehmenden Alter immer schlechter werdende Sehkraft werden das Wechselspiel der Farben und die großzügige Linienführung in seinen Gemälden immer vordergründiger.

Beitrag und Bilder: Hans-Friedrich Müller

Heuernte im Juli

Alle Bilder sind Werke des Künstlers Erwin Vollmer.

Um 1900 für einen Neubau abgerissen, heute „Rehlinger Hof“ 
(Abb. mit frdl. Genehmigung von Hof Hoyer)

Treppenspeicher
(Abb. mit frdl. Genehmigung von Hof Hoyer)