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Die Lerchen am Lerchenweg

Wo sind denn die kleinen grauen Vögel, die hoch am Firmament zu sehen sind und mit ihrem herrlichen Gesang für uns den Frühling einläuten?

Die Straßenbezeichnung „Lerchenweg“ hat nichts mit dem Vogel Lerche zu tun; sie leitet sich ab von der Person Amalie Lerch (geboren am 11. Juni 1881, gestorben am 27. August 1962 im Altersheim von Amelinghausen). Sie besaß am Anfang des Lopausees, gegenüber der Bahnbrücke, ein Fachwerkhaus mit 3,4 ha Grund und Boden. Das alte niedersächsische Haus mit integriertem Viehteil war um 1840 gebaut worden. Im kleinen Nebengebäude wohnte nach dem Krieg kurzfristig die Familie Hellman, ebenfalls mit einem Hund zur Verteidigung des einsam gelegenen Anwesens.

Amalie Lerch war die Erbin dieser kleinen Anbauernstelle Sottorf Nr. 15, die im Rahmen der Sottorfer Verkoppelung 1843 errichtet worden war. Sie war unverheiratet und lebte allein in diesem alten Fachwerkhaus bis zum Ende der 1950er Jahre.     Als Beleuchtung gab es eine Petroleumlampe, da sie nicht an das Stromnetz angeschlossen war. Sie war Selbstversorgerin und führte ein einfaches und äußerst bescheidenes Leben. Nach 1945 hatte sie keine Kühe mehr, dafür aber eine große Anzahl an Hühnern, Enten und Gänsen.

Die vielen leckeren Früchte an den Sträuchern und Bäumen in ihrem gepflegten Garten lockten natürlich die „Sottorfer Jungs“ an. Sobald sie über den Zaun gestiegen waren, wurden sie von der resoluten Frau mit Hund und Knüppel vertrieben.

Nach dem 2. Weltkrieg war der größte Teil des Ackerlandes mit Bäumen bepflanzt.

Gegen Ende der 1960er Jahre brannte das Haus ab. Der Erbe hatte vor, auf den Grundmauern des alten Gebäudes ein neues zu errichten. Als er nach über fünf Jahren nach dem Brand einen Bauantrag stellte, bekam er keine Baugenehmigung, da die gesetzlich vorgeschriebene Zeit überschritten war.

In der Gemeinde war Amalie Lerch nur als Lerchen Mali bekannt. Diese Art der Personenbezeichnung ist typisch für die plattdeutsche Sprache. Das „-en“ am Ende vom Familienname Lerch ist eine Art Genitiv und zeigt, dass sie zu der Familie Lerch gehört. Im Plattdeutschen wurden die Ehefrauen immer über den Familiennamen des Ehemannes definiert (zum Beispiel „Röruppen Marie“ oder „Müllers Frieda“, hier ein angehängtes „s“ als Zeichen für einen Genitiv).

Es ist also eindeutig, dass die Straße „Lerchenweg“ nicht vom „Vogel Lerche“ abgeleitet, sondern auf die Person „Lerchen Mali“ zurückzuführen ist.“

Fietes Dorfarchiv