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“Auf dem Papenstein“ Historische Deutung – Die Straße

Bei der Deutung des Straßennamens stellt sich die Frage, was die Präposition „auf“ aussagen soll.

Der erste Bestandteil des Wortes Papenstein geht auf das lateinische bzw. kirchenlateinische Wort „papa“ zurück und bedeutet soviel wie Vater, Pfarrer, Kirchenoberhaupt, oder alles, was die Kirche betrifft. Eine Straße kann aber nicht auf einem Stein sein, sondern eher an einem Stein vorbeiführen, oder zu einem Stein hinführen, Dieser Widerspruch kann historisch geklärt werden. Im Rahmen der Verkoppelung von 1829 wurde erstmals ein Landkataster erstellt. Die Beamten vom Amt Winsen haben die Bauern nach ihren Flurbezeichnungen befragt und erhielten natürlich eine plattdeutsche Antwort : „Up de Papensteeg“ (oder auch Papenstäch). Mit dem Wort „Steeg“ für hochdeutsch Stelle, konnten sie nichts anfangen und haben dafür das Wort Stein genommen. Es handelt sich somit um eine Verballhornung einer plattdeutschen Bezeichnung.

Als Ende der 1960er Jahre die Straßen in Amelinghausen Namen bekamen, haben die Ratsmitglieder die Benennung der Straße -historisch gesehen- richtig benannt, wenn auch- wie es scheint- unbewusst. Wenn es sich um Flächen handelt, wird meistens die Präposition auf benutzt. Beispiele: Auf dem Kreuzmoor, Auf dem Timpenberg, Auf dem Holtersberg.

Ebenso ist bekannt, dass Amelung –der Bruder von Hermann Billung- hier im 10. Jahrhundert lebte und die vielen Besitzungen der Billunger in unserer Gegend   verwaltete, bevor er Bischof von Verden wurde. In dieser Zeit sollen sich in Amelinghausen Mönche niedergelassen und einen Wirtschaftshof mit einem Ordenshaus errichtet haben. Amelung soll hier die Würde eines Abtes bekleidet haben.  

Eine Luftaufnahme von dem in der Nähe gelegenen Etzer Osterfeld zeigt ein deutlich erkennbares schwarzes Kreuz. Die Bodenverfärbung, entstanden durch den Druck der Fundamente des ehemaligen Klostergebäudes, ist ein Beweis dafür, dass hier in Vorzeiten ein geistliches Gebäude gestanden hat. ( Bild: Luftaufnahme)

1396 haben die Mönche aufgrund kriegerischer Unruhen Amelinghausen verlassen und sich in den Schutz der Klöster hinter der Lüneburger Stadtmauer begeben. Dazu schreibt der Lüneburger Chronist Schomasker (16. Jahrhundert)

Statius von Mandesloh in den Paschen 1396 dede
am Fridage mit sinen Gesellen upp de anner Siden von Lüneburg na de Heide wart groden Schaden, brende
etliche Dörper ut, besundern Amelinghusen…“

Leider gibt es keine Dotationsurkunde, aus der die Fundierung eines Mönchsklosters zu ersehen ist.

Bekannt ist aber, dass die Amelinghausener Kirche früher viel Land besaß und Einkünfte hatte, die z. T. über das Kirchspiel hinausgingen. Hinzu kommen die vielen archäologischen Artefakte, die Helmut Borkowski während der letzten 40 Jahre auf dem Osterfeld gefunden hat und auch ein Beweis dafür sind, dass hier schon im 11. oder 12. Jahrhundert ein geistliches Gebäude gestanden hat.

Beitrag und Steinfoto Fietes Dorfarchiv

Luftaufnahme vom Etzer Ostfeld und dem Druck vom Fundament
des ehemaligen Klostergebäudes
© NLVwA-Abt.Landesvermessung