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Frido Hombrighausen

Der Alchemist aus Sottorf/Amelinghausen

Die heutige „Waldkräuterey“ am Lopausee hat eine wechselvolle Geschichte. Es gab in der Vergangenheit mehrere Besitzer und Pächter. In guter Erinnerung ist das von Martin Herzog geführte Gourmet-Restaurant. Das verwunschene Strohdachhaus aus Findlingen und Fachwerk hat der Künstler Friedrich Wilhelm Homrighausen (genannt Frido, geb. 10.2.1902, gest. 2.5.1987) 1947 gebaut. Das ca. 6400 m2 große Heidegrundstück hat er gleich nach dem Ende des 2. Weltkrieges erworben.

Das Haus wurde von Sottorfer Handwerkern gebaut – das Mauerwerk von der Firma Adolf Petersen und die Fachwerk- und Dachkonstruktion von der Zimmerei Karl Heger. Eine Mauer aus Natursteinen – heute ein teurer Luxus – war vor der Währungsreform 1948 das billigste Baumaterial. Gebrannte Ziegelsteine waren rar und teuer. Die großen Findlinge aus der Gemarkung kosteten kein Geld, denn der Arbeitslohn wurde in der Nachkriegszeit mit Essen und Trinken bezahlt. Man musste sie nur mit einem schweren Hammer spalten und in handliche und glatte Steine verwandeln.

Frido Homrighausen begann seine berufliche Laufbahn als Lehrer. Diesen Beruf übte er nicht lange aus. Er folgte seinen künstlerischen Fähigkeiten und besuchte die Kunstakademie in Düsseldorf, die er mit großem Erfolg absolvierte. Durch seine Fähigkeiten wurde er schnell in ganz Deutschland bekannt. Große Anerkennung gewann er in der Welt der Künstler durch seine Emaille-Arbeiten und die von ihm durch viele Experimente entwickelte und hergestellte Farbe in einem Farbton, der einem feurigen Rubinrot ähnelte. Darüber hinaus war er ein begnadeter Maler von Tierbildern, die er in Öl malte und auch auf Glas herstellte. Der Titel des „Alchimisten“ wurde ihm an der Kunsthochschule verliehen. Die Komponenten für seine Farbe blieben sein Geheimnis.

Frido Homrighausen stammt aus dem Rheinland und war durch seine Frau – gebürtige Lüneburgerin - in den Norden gekommen. Bis Anfang der 1950er Jahre hat er in der Sommersaison in Mittenwald in Bayern gearbeitet, um Geld für den Hausbau zu verdienen. Seine Frau und seine Schwägerin Frau Meyer-Waldeck betrieben im Sommer ein Kaffee mit selbst gebackenem Kuchen. Die idyllische Lage und ländliche Atmosphäre hatten sich schnell bis nach Hamburg herumgesprochen. Abends gab es einen kleinen Ausschank für die Dorfbewohner. Bekannt war Fridos selbstgebrannter Alchimisten-Schnaps, selbstverständlich mit Sottorfer Kräutern hergestellt. Es gibt ihn heute noch, nach dem Originalrezept, bei Edeka. Wenn Frido im Sommer nicht anwesend war, hatte die resolute Frau Meyer-Waldeck das Sagen. Im Dorf nannte man sie „die Waldhexe“, aber nicht wegen ihrer autoritären Art, sondern wegen der abgeschiedenen Lage des Anwesens. Wenn sich abends Gäste dem Haus näherten, die ihr nicht angenehm erschienen, war das Lokal plötzlich geschlossen.

Seine Frau verstarb relativ früh, sodass Frido viele Jahre - ohne seine Schwägerin - allein in seinem Haus lebte. Da er ein bekannter Künstler und auch Lebenskünstler war, scheint er kein einsamer Mann gewesen zu sein. Viele künstlerisch ambitionierte Menschen, unabhängig vom Alter und Geschlecht, suchten seine Nähe, was er durchaus schätzte.

Frido, der 1987 85-jährig verstarb, hat bis zum Schluss Silber- und Goldschmuck hergestellt. Als Stein für seine eingefassten Schmuckstücke benutzte er gern den Opal.

Fietes Dorfarchiv

Bilder: © Hans-Friedrich Müller

Frido Hombrighausen mit seinen beiden Hunden vor seinem Haus (1958)

Hundeportrait von Frido Hombrighausen