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Der Lopausee und seine Entstehungsgeschichte

Die Idee, einen See in ihrer damaligen politisch eigenständigen Gemeinde anzulegen, bekamen die Sottorfer Ende der 1960er Jahre vom Amelinghausener Bürgermeister Friedrich Meyer. Er hatte in einer Ratssitzung den Vorschlag unterbreitet, einen kleinen Waldsee zwischen dem Weg zum Holtersberg (Kreuzmoor) und der OHE-Bahnbrücke anzulegen. Dafür sollte das Wasser vom Nebelsbruch die 2 ha große Wiesenfläche - die sogenannten Neuen Wiesen – in einen See verwandeln. Als diese Planung die Runde machte, waren sarkastische Anmerkungen der Sottorfer unüberhörbar. Das kleine Rinnsal, das den See mit Wasser versorgen sollte, war ihrer Meinung nach nichts anderes als eine kleine Pinkelrinne und für die Wasserversorgung unzureichend. Und heute – im Jahr 2023 mit dem ständig sinkenden Grundwasserspiegel – schon gar nicht.

In der Gemeinde Sottorf kam die Idee auf, die Lopau zwischen der B209 und der OHE- Bahnbrücke anzustauen. Man überzeugte mit dem Argument, dass die Lopau ausreichend Wasser für einen 10 ha großen See hätte – und außerdem über vier Mal größer wäre.

Helmuth Petersen und Hermann Hedder, beide Mitglieder des Sottorfer Gemeinderates, kontaktierten sofort den damaligen Oberkreisdirektor. Herr Harries war begeistert und hat die Idee sofort aufgegriffen. Die touristische Erschließung des südwestlichen Teils des Landkreises Lüneburg war für ihn eine wichtige und zukunftsweisende Maßnahme. Er hatte sofort konkrete Vorschläge bezüglich einer kostengünstigen Finanzierung. Die Gemeinde Sottorf bräuchte nur die Flächen von den Grundbesitzern aufzukaufen (ca. 150.000 DM); alle weiteren Gelder kämen aus den Töpfen des Landkreises Lüneburg, des Landes Hannover und der Stadt Hamburg. Hätte es ein Magerrasen-Biotop auf den ehemaligen Lopauwiesen gegeben, wäre Harries der Letzte, der das Problem nicht gelöst hätte!

Es folgten nun viele Sitzungen und Gespräche mit den betroffenen Grundstückseigentümern. Herr Harries war in den Verhandlungen sehr engagiert und zielorientiert; mit unermüdlicher Kraft und Energie gelang es ihm, die Grundstückseigentümer von einem schönen See in der Gemeinde Sottorf zu überzeugen. Die Amelinghausener würden schließlich auch davon profitieren.

Einige Grundstückseigentümer fingen dann doch an zu pokern, weil die Gemeinde etwas von ihnen wollte. Die nassen Wiesen, die für eine angemessene landwirtschaftliche Nutzung ohnehin nicht geeignet waren, wollten sie wohl verkaufen, aber nicht ihre Flächen direkt am See. Jeder träumte von einem Grundstück mit einem eigenen Bootssteg und vielleicht auch von einem Haus direkt am See - wie in Bayern am Starnberger See.

Diese Pläne wurden von Oberkreisdirektor Harries schnell zerschlagen, denn um den See herum sollte ein Grüngürtel mit einem öffentlichen Wanderweg angelegt werden. „Nur so und nicht anders“ waren seine Worte. „Sonst gibt es keine Zuschüsse!“ Als die Forderungen zum Teil ins Unermessliche gingen, kam die Androhung, den See an einer anderen Stelle in der Gemeinde anzulegen. Als Optionen wurden die Flächen zwischen der B209 und dem Stee-Stau (Stegens Stau) und dem letzten Teil der Lopau vor der Mündung in die Luhe. Beide Optionen hätte man verwirklichen können. Die Lage zum Ort wäre allerdings ungünstiger gewesen.

Gott sei Dank siegte zum Schluss die Vernunft, auch wenn einige Grundstückseigentümer weiterhin „rumnörgelten“. Nicht betroffene Grundstückseigentümer haben Grundstücke an die Gemeinde verkauft, die ihrerseits mit den betroffenen Eigentümern, die kein Land verkaufen wollten, tauschen konnten. Auch wenn hier und da etwas gemauschelt wurde, so konnte die Gemeinde Sottorf alle nötigen Flächen für die Anlegung des Sees erwerben. Die vielen Verhandlungen – auch wenn es mündliche Absprachen gab - verliefen letztendlich zum Wohle der Gemeinde.

Ein Grundstückseigentümer verlangte partout ein Grundstück in der Nähe des Sees. Als er einige Jahre später einen Bauantrag stellte, wurde ihm mitgeteilt, dass er lediglich eine landwirtschaftliche Fläche bekommen hätte. Harries hielt sein Versprechen, und schwuppdiwupp hat die Gemeinde die Fläche mit sofortiger Wirkung in den B-Plan aufgenommen. Ein couragierter Oberkreisdirektor, der es verstand, die Paragrafen im Sinne der Bevölkerung auszulegen.

1970 konnten die Kauf- und Tauschverträge vor dem Notar in Lüneburg unterzeichnet werden.

Der Verfasser dieses Artikels ist der letzte Lebende von den damals involvierten Grundstückseigentümern.

Hans-Friedrich Müller

© Lydia Rönn

© Lydia Rönn

Lopauseewiesen