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 |  Elsa Kögel  |  Aus dem Rathaus

Der Professor kam mit dem Fahrrad

Am 26. November hatte die Bürgerinitiative „Haltepunkt Drögennindorf“ zu einem besonderen Vortrag in den Saal des Gasthof Heidetal eingeladen – und die Dorfgemeinschaft kam. Prof. Dr. Peter Pez, der nun emeritierte Professor für Stadt- und Kulturraumforschung an der Leuphana, hielt einen spannenden und lebendigen Vortrag zum Thema „SPNV als Mittel zur Verkehrs- und Regionalentwicklung“.
Ein Haltepunkt in Drögennindorf steht exemplarisch für die Überlegenheit des schienengebundenen Nahverkehrs: Ein Bus ist niemals schneller als der SPNV (also Straßenbahn, U-Bahn, S-Bahn oder eine Regionalbahn). So lauteten die Ergebnisse der Reisezeitanalysen, die Prof. Pez zusammen mit Studierenden zu unterschiedlichen Verkehrsmitteln durchgeführt hatte. Der Regio-S-Bahn-Verkehr ist unschlagbar bezüglich seiner Effizienz.

© Elsa Kögel

Das war aber nur ein Aspekt seines Vortrags. Zusätzlich zeigte Prof. Pez auf, dass Lüneburg früher ein wichtiger Bahn-Knotenpunkt gewesen sei, diese Aufgabe aber aufgrund der vielen Stilllegungen verloren habe, wobei die Hauptverkehrsströme auch jetzt noch entlang der ehemaligen Eisenbahntrassen verliefen.
Außerdem holte er weit aus und beleuchtete die demografische Entwicklung der nächsten 35 Jahre. Abhängig davon, wie viel geregelte Zuwanderung Deutschland zulässt, wird die Bevölkerung von nun 83 Millionen auf entweder 63 Mio. oder 73 Mio. Menschen drastisch sinken. Mit allen Konsequenzen der fehlenden Arbeitskräfte und Konsumenten. Neben der „personellen“ Situation gibt es aber auch das Problem der veränderten Immobiliennutzung. Die Konzentration des Lebens auf städtische Bereiche wird weiterhin stattfinden. Da die Städte gleichzeitig aber schon jetzt „aus allen Nähten platzen“, wird das Interesse am Umland zunehmen – aber eben nur an Dörfern und Kleinstädten, die über einen (schienengebundenen, s.o.) Personennahverkehr mit der Stadt verbunden sind. Die Dörfer, die das nicht haben, drohen mehr oder weniger „wüst“ zu fallen (in Teilen von Ostdeutschland kann man das bereits beobachten).
In der Konsequenz bedeutet dies für ihn, dass die Reaktivierung der Bahnstrecke Soltau – Lüneburg unter einer ganz anderen Prämisse gesehen werden muss. In seinen Augen muss der Schwerpunkt darin bestehen, einen Regio-S-Bahn-Verkehr zu schaffen, der für jeden Endpunkt der Strecke eine Anbindung des ländlichen Raums an das Ballungszentrum schafft, indem möglichst viele Haltestellen angefahren werden.
Dies war sein Auftrag an die Gemeinde Betzendorf: weiter um den Haltepunkt in Drögennindorf zu kämpfen, um nicht zu den Verlierern der Konzentrationsprozesse zu gehören. Dazu sollten noch weitere Orte mit denkbaren Haltestellen an der Strecke in den Aktivierungsprozess einbezogen werden, damit die Strecke möglichst attraktiv und damit auch lukrativ wird.
Der Vortrag hat die Anwesenden überzeugt, dass der Einsatz sich lohnt – gleichzeitig hat er aber auch gezeigt, dass die Aufgabe sehr nachhaltig ist und die Interessensgemeinschaft noch Unterstützung braucht. Interessierte können sich gerne melden unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Am Ende des Abends wurde Prof. Pez anhaltend applaudiert – als Dankeschön erhielt er eine tiefgefrorene Wildschweinkeule, die er anschließend auf seinem Fahrrad nach Lüneburg transportierte.

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